Seit Januar 1849 war Bochum der Sitz eines Kreisgerichtes, dessen Gerichtsbezirk die Städte Bochum, Witten und Hattingen, sowie eine größere Anzahl kleinerer umliegender Dorfschaften umfasste.

In sachlicher Hinsicht war das Gericht für alle Zivil- und Strafsachen zuständig. Ausgenommen waren lediglich die schwersten Straffälle, für die zunächst in Hamm, ab Oktober 1868 in Essen ein Schwurgericht eingerichtet worden war. Mitte der siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts waren bei stetig steigendem Geschäftsumfang - ohne Berücksichtigung der an den in Hattingen und Witten bestehenden Nebenstellen Beschäftigten -  23 Richter, 2 Staatsanwälte und 9 Rechtsanwälte tätig. Nach dem Kreisgericht in Berlin war das Gericht in Bochum damit das größte des Landes Preußen.

Da sich die Bevölkerung des Stadt- und Landkreises Bochum von der Jahrhundertmitte bis Ende 1877 um nahezu das Dreifache, nämlich von 75.900 im Jahre 1858 auf ca. 205.000 Einwohner, vermehrt hatte und im Bochumer Raum mit dem Steinkohlebergbau und der metallverarbeitenden Industrie zwei aufstrebende Wirtschaftszweige beheimatet waren, die einen raschen wirtschaftlichen Aufstieg des gesamten Gebietes erwarten ließen, hoffte man seitens der Stadt Bochum bei der nach der Reichsgründung 1871 erforderlich gewordenen Neuorganisation des Gerichtswesens im Deutschen Reich, mit dem Sitz eines Landgerichtes bedacht zu werden.

Urkunde von 1888

Es sollten aber noch einige Jahre vergehen bis im Jahre 1888 ein Gesetz erlassen wurde, dass die Errichtung eines Landgerichtes in der Stadt Bochum vorsah.

Urkunde von 1892

Erst nach weiteren 4 Jahren, am 1. Oktober 1892, trat das Gesetz zur Errichtung eines Landgerichtes in Bochum in Kraft.

Welche Bedeutung das Landgericht für die Stadt Bochum hatte, kommt in den Worten des Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung zum Ausdruck, der seine Ansprache anlässlich der Eröffnung des Landgerichts mit den Worten schloss: „Das lange Ersehnte hat sich verwirklicht und Bochum ist von einer Stadt zweiter Ordnung zu einer Stadt erster Ordnung geworden.“

Quelle: Festschrift anlässlich „100 Jahre Landgericht Bochum 1892 - 1992“

Das alte Landgerichtsgebäude

Altes Justizzentrum Bochum bis Oktober 2017

Seit dieser Zeit hat es vielfältige Veränderungen gegeben. Das Gericht wuchs mit der Zunahme der Aufgaben und der wachsenden Bevölkerung. Anmietungen, Umbauten, Erweiterungen und Neubauten fanden statt. Mit dem Bezug des neuen „Justizzentrums Bochum“ wurde im Oktober 2017 diesbezüglich ein vorläufiger Schlusspunkt gesetzt.